Grand Canyon Railway

Schon wieder Zug fahren? – JA! Dieses Mal mit der historischen Grand Canyon Railroad. 65 Miles und ca. 2,5 Stunden dauert die traumhafte Fahrt auf der historischen Route zwischen Williams und Grand Canyon.

Natürlich kommt man auch hier ohne Unterhaltung und Verkaufsförderung nicht aus. Die ständig wechselnde Landschaft will ich nicht schon wieder erwähnen, vielleicht aber den Weitblick, den man aus dem Zug heraus hat. Neben den noch original gehaltenen, geschraubten Schienen auf denen der Zug fährt verläuft eine alte – nicht mehr funktionierende – Telegrafenstrecke, hin und wieder gib es einen ebenfalls alten Bahnübergang und viel viel Gegend und Ausblick. Unweit von Büschen weiden Kuhhorden, grasen Antilopen und man sagt, wenn es ganz still ist, hat man die Chance Pumas und Berglöwen zu sehen.

Aber was wäre ein amerikanischer Ausflug ohne Entertainment?

Zuallererst wurde auf der Hinfahrt auf alles Mögliche hingewiesen, man konnte Coctails (um 9:00 Uhr MORGENS!!!) bestellen, der Lokführer sprach durch Lautsprecher.

Kurz darauf musikalische Untermalung des Ausflugs durch Clearwater, der allerlei musikalisches auf English, Deutsch und Japanisch sowie ein Paar Schwünge aus seinem Leben preis gab.


Er war wirklich gut. Hat Spass gemacht, ihm zuzuhören. Kurz vor Fahrtende bestand noch die Möglichkeit, eine seiner CDs zu kaufen. Eine haben wir gekauft, aber noch nicht gehört. Das machen wir zu Hause und verfallen in Erinnerung…

Wie immer gab es eine Fotografin on Board und ein Foto, das man mehr oder weniger nicht ausschlagen kann.

OK, es gibt bessere Bilder von uns, aber wenn der Fotograf nebenbei ohne Luft zu holen schwätzen muss, kann er auch nicht anders und es waren ja nur noch 30 Minuten bis Grand Canyon und noch lange nicht alle fotografiert… (es geht um Geld)

Kurz vor Ausstieg dann noch eine Ansage des Lokführers, der Nanny die für uns zuständig war, noch ein letzter Hinweis auf das Buffet das sich im 1. Stock des Wagons befand und schon waren wir fast da…

Im Grand Canyon angekommen, dieses Mal an einer anderen Stelle des South Rim, hatten wir 3,5 Stunden Zeit die Läden zu plündern die Aussicht zu geniessen.

Dies haben wir natürlich auch getan, auch wenn ich mir wegen meiner fiebrigen Nacht zuvor erstmal einen zusätzlichen Pullover kaufen musste, was sich später als ein Fehler herausstellte.

Es war ein Schnelldurchlauf, wir mussten ja noch zurück – die Nanny erwähnte mehrmals die magische Zahl 315: 3:15pm, also eckten wir hier und da den Rim mal an, fotografierten, flirteten mit den Squirrls, besorgten uns auf die Schnelle einen Hotdog und einige Getränke, adoptierten einen Löwen (dazu später mal), pressten einige Pennys (auch später), lästerten über die in Scharen aufkreuzende und ewig in eine Camera grinsende Japaner und ein verliebtes deutsches Männerpärchen, das sich über die Fotokünste des jeweils anderen stritt  und schlenderten mit dem Umweg über einen “Indian Art” – Laden (der nichts anderes als alle anderen zu bieten hatte) zurück zum wunderschönen Bahnhof vom Grand Canyon.

Auf der Rückreise wieder das Übliche: Begrüssung der Nanny, des Lockführers, ein Country – Sänger – dieses Mal haben wir keine CD gekauft, die Frau mit den Bildern war zurück und überreichte uns eine Mappe mit dem Bild und noch einem anderen (allgemeinen) Bild – was wir auch kauften, ein Sheriff der schon auf der Hinfahrt was sagen wollte aber nicht dazu gekommen ist und nun auf uns einredete, Fragen stellte, erzählte und eine Überraschung gegen 17:00 Uhr versprach und wieder verschwand…

Die Nanny erzählte einen Schwung aus ihrem Leben, über ihre Liebe zu Arizona und das Glück, genau hier einen Job gefunden zu haben. Sie kommt aus Chicago, lebte mit ihrer Schwester bei ihrer Stiefmutter und sah im Chicago keine Perspektive. Freunde luden sie ein, sie fand den Job und seit dem ist sie glücklich und zufrieden. So in etwa stellen wir uns das auch vor. Was unseren Traum von dieser Wirklichkeit trennt ist ein grüner Zettel namens Green Card…

…gegen 17:00 Uhr dann die ersten Schüsse und Schreie im Zug. Wir werden überfallen. Von Posträubern. Der Zug hält.


Eine Lautsprecherdurchsage: WIR WURDEN ÜBERFALLEN!

Einige Anweisungen zum Verhalten im Falle eines Überfalls folgen.

GENIAL gemacht! Die Amerikaner machen alle mit. Für uns Europäer irgendwie unvorstellbar, bei einer Show live mit zu wirken. Wir haben das Gefühl, uns für alle mit zu schämen. Aber genau das ist das, was uns von diesen Leuten hier unterscheidet: wir sind zu spiessig. Man kann tatsächlich ein ganz intensives Gefühl bekommen, wenn man einfach mitmacht – oder wenn es die Möglichkeit gibt, mit zu machen…

Einige Augenblicke später hat der Räuber sich durch den Zug entertaint durchgeräubert und in unserem Wagon für Lärm gesorgt.

Vielleicht nicht ganz ernst, aber es kommt einem schon mal der Gedanke, wie es früher wohl so war, wenn der Zug überfallen wurde. Zieht man die in dem Moment aussichtslose Ruhe der Gegend in Betracht, dann war es bestimmt nicht lustig…

Das war dann in diesem Jahr wohl das letzte Mal, dass wir den Grand Canyon gesehen haben. Schade eigentlich. Etwas Glück im Lotto könnte dazu verhelfen, dass wir bald wieder hier sind. Wie ich gelesen habe, sind jetzt 21 Mio. im Pott drin. Die Hälfte würde glatt reichen*g*

Eine seltsame Geschichte im Zug gab es aber doch noch: auf der Rückfahrt wurden wir auf einen rosanen Herd mitten im Nichts aufmerksam gemacht. Dieser stammt von den Ausserirdischen….

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  1. 19 Okt ’10 at 12:20 PM

    Ja, das war schön. Der Zug wird ja überfallen… Gut gemacht. Die Amis machen ja bei sowas voll mit, ist schon lustig. Du kannst bei den vielen Gästen sofort herausfiltern, wer Europäer sind: die schämen sich nämlich immer fremd :rotfl: :rotfl: :rotfl:

  2. 19 Okt ’10 at 10:15 AM

    Toll, das war bestimmt ein ganz großes Erlebnis, trotz des ganzen Entertainments ;-)

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